blog
So, nun ist es also soweit, ich verlasse meinen bisherigen Brötchengeber und fang was Neues an. Das ging jetzt schneller als erwartet, ich fühl mich selber fast ein wenig überrumpelt. Aber nu mal von Vorne:
An und für sich wollte ich schon länger aus dem klassischen Callcenter raus, ich wollte das schließlich nicht bis zur Pensi durchziehen. Hätte ich auch nicht gepackt, vorher hätte mich das Burnout erwischt, da bin ich mir sicher. Ich hatte mir jetzt zwecks Umzug 2 Wochen Urlaub genommen, komme zurück und nach 2 Tagen reichts mir schon wieder. Ok, die 2 Wochen waren alles andere als Erholung, aber das ist ne andere Gechichte.
Wie auch immer, ich stehe mit meinem neuen Arbeitgeber schon länger in Kontakt. Ich hab mich da mal auf gut Glück hin beworben, bekam auch Feedback. Zunächst hieß es, sie hätten momentan nichts für mich, halten mich aber in Evidenz. Dann kam einige Zeit später ein Angebot für ein Projekt am Flughafen Schwechat. Daraus wurde aber nix, ein anderer Mitbewerber hat besagte Firma bei der Ausschreibung unterboten. Naja, jetzt hats dann doch geklappt, ich fange im Oktober im IT-Helpdesk 2nd Level im ersten Bezirk an. Ich werd zwar nicht mehr Geld verdienen, aber wenigstens hab ich es da nur mit firmeninternen Cases zu tun und nicht mehr mit Endkunden. Und: ich bin nicht mehr im Personalleasing. Na endlich. Als ich vor über 6 Jahren angefangen ab, hieß es mal, daß ich recht schnell übernommen würde.
Ja nee, is klar. Mir wurde schon vor einiger Zeit klar, daß du als Leasingkraft grundsätzlich die Arschkarte ziehst, wenn im Unternehmen mal wieder das Management irgendwelche Bauernopfer braucht oder wenn firmeninterne Ausschreibungen laufen. "Was, du bist Leasingkraft? Tja, Pech gehabt." Außerdem fehlt mir hier ziemlich die Anerkenung der Leistung, die man tagtäglich erbringt. Die Rundmails der Personalvertretung beziehen sich immer nur auf Fixkräfte mit ihren Durchhalteparolen. Letzthin las ich was im Firmenmagazin über einen supidupi Mitarbeiter, der sooo toll Kundensupport macht. War natürlich ein "echter" Mitarbeiter mit akademischem Titel, von dem hier noch nie jemand was gehört hat. Na super. Meine Kollegen, mit denen ich mir hier Tag für Tag, Jahr für Jahr den Arsch aufreiße, damit unsere Kunden ihre Probleme gelöst bekommen, erwähnt nie jemand. Na klar, werden ja auch in einer AG nicht als Personal sondern als Inventar geführt, damit die Bilanz schöner aussieht.
Ehrlich, ich bin es leid. Und bevor ich demnächst nicht mehr wirklich supporten darf sondern nur noch PDFs verschicke, weil die Callzeiten zu lang sind, verlasse ich diesen Zirkus und fange woanders neu an. 6 Jahre sind genug in dem Verein. Im Lauf der Jahre haben wir immer mehr Kompetenzen bekommen, was ich prinzipiell gut fand. Mittlerweile wird zurückgerudert. Es ist so gewollt, daß möglichst wenig Kunden anrufen und somit im Callcenterbereich eingespart werden kann. Die Qualität geht in den Keller, aber egal, hauptsache, die Bilanz sieht gut aus.
Mir tut es nur leid um meine Kollegen, die das weiterhin über sich ergehen lassen. Es werden immer weniger, die ein breites Spektrum abdecken und viel Erfahrung haben. Die will man ja los werden, da sie zu teuer sind.
So, genug gesudert, das mußte auch mal sein. Ich freu mich jedenfalls darauf, im Oktober was Neues aufzubauen und in einem überschaubaren Team den Laden zu schaukeln.
In diesem Sinne: Ich bin dann mal weg!
Andi
Zuletzt geändert von Administrator (bender)
am Nov 01 2011
um 11:29 PM